"Nach dem Krieg um halb sechs..." Der zweite Corona-Blog

28.03.2020

Dieses Zitat stammt aus dem satirischen Roman „Der brave Soldat Schwejk“ des tschechischen Autors Jaroslav Hašek und trifft genau das, worum es jetzt, nach zwei Wochen Corona-Ausnahmesituation, geht: um die Hoffnung. Schwejk, nur scheinbar einfältig, führt Krieg und Massenmord ad absurdum und schafft es, so den ersten Weltkrieg zu überleben. Damit kann er der immer wieder gegeben Zusage treu bleiben, sich „nach dem Krieg um halb sechs“ mit seinen Freunden im Wirtshaus zum Kelch in Prag wieder zu treffen.

Darin sehe ich jetzt in der Corona-Krise eine wesentliche Augabe in meiner Rolle als Psychologe und Psychotherapeut: Menschen dabei zu helfen, die Hoffnung aufrechtzuhalten – die Hoffnung, dass wir ganz sicher eines Tages unsere Eltern, unsere Kinder, unsere Enkelkinder, unsere Freunde und Freundinnen auch körperlich wieder sehen und wieder spüren können. Die Hoffnung, dass wir ganz sicher wieder im Café sitzen, ins Konzert und ins Theater, ins Fussballstadion, ins Restaurant gehen werden. Wir wissen nicht, wie lange es noch dauern wird, wir wissen nur, dass wir jetzt in dieser ungewöhnlichen und unsicheren Situation einige Zeitlang weiterleben müssen. Dazu ist es entscheidend wichtig, dass wir uns nicht sozial, sondern nur körperlich voneinander distanzieren: nicht ‚social‘, sondern physical distancing ist gefragt. Sozial rücken wir zur Zeit näher zusammen. Wenn ich mit meiner Partnerin und dem Hund in der Stadt spazierengehe, lächeln mich wildfremde Menschen an und ich lächle zurück. Wir grüßen uns, wie es Menschen sonst auf dem Land tun. Wir sind Schicksalsgefährt*innen geworden in diesen Tagen. All das hilft uns, unsere Energien auf die Hoffnung statt auf die Angst zu richten.
Zur Zeit können wir uns leider nicht in meiner Praxis zum direkten persönlichen Gespräch treffen. Ich kann Ihnen aber meine professionelle Expertise und meine Erfahrung von 38 Jahren als Klinischer und Gesundheitspsychologe und Psychotherapeut und als Coach in folgenden Formen anbieten:
- Telefongespräche
- Videotelefongespräche
- Skype
- Chats (schriftlich)
- E-Mail
In den letzten Tagen habe ich drei anonymisierte Beispiele meiner Arbeit mit Menschen in der Corona-Krise hier auf meiner Homepage gepostet, damit Sie sich ein Bild davon machen können, wie die Begleitung und der psychologisch-psychotherapeutische Kontakt über die genannten Medien aussehen kann.
Die Themen, um die es dabei geht, sind:
- Paarkonflikte beim „Bleib daheim“ („So endet es immer: wir schreien uns an“)
- Einsamkeit („Ich will nicht alleine alt werden“)
- Berufliche Angst und Unsicherheit („Ich weiß überhaupt nicht, wie es weitergehen soll“)
In den nächsten Tagen werde ich diese Sammlung um folgende Themen erweitern:
- Wie gehe ich mit den Seelen meiner Kinder um?
- Gewalt: Eskalation und Deeskalation
- Angst vor Krankheit und Tod
- Wie entdecke und aktiviere ich meine Potenziale und Ressourcen?
- Wie finde ich meine Hoffnung?
Aus der Erfahrung der vergangenen zwei Woche ist es oft sinnvoll, nicht unbedingt die klassischen 50-Minuten-Einheiten der psychotherapeutischen Sitzungen einzuhalten, sondern die Länge flexibel je nach Bedarf zu gestalten. Das können manchmal 10 Minuten täglich sein oder eineinhalb Stunden, wenn es um die Deeskalation eines Paarkonflikts geht. Abgerechnet wird nach der tatsächlich erforderlichen Zeit. Dabei können psychotherapeutische Sitzungen mit der Krankenkasse gegenverrechnet werden (Rückvergütung je nach Kasse, meist € 28,00 pro Stunde).
Sie können mich telefonisch unter +43 664 4120755 oder über mein Kontaktformular hier auf der Homepage erreichen.
Nicht vergessen: Wir sehen uns nach dem Corona-Krieg um halb sechs an der Donau, im Brucknerhaus, im Posthof, im Café Traxlmayr, im Landestheater, beim Theaterspectacel in Wilhering, im Moviemento, in der Buchhandlung Alex am Hauptplatz und natürlich in meiner Praxis in der Herrenstraße. Bis dahin: Bleiben Sie zu Hause und passen Sie auf sich und auf uns alle auf!
Ihr
Klaus Sejkora